... aus unserem Land vor unserer Zeit – Juraleben aus Painten


SAM 1901
Blick in den Sonderausstellungsraum

Die Fossilien aus der Lagerstätte von Painten stammen aus den Kieselplattenkalken des Oberen Jura (Oberkimmeridgium) - die Schichten entstanden vor etwa 152 Millionen Jahren. Die Paintener Wanne nahm eine Fläche von etwa 15 X 12 km ein. Sie war umgeben von Riffen und flachen, unter der Meeresoberfläche liegenden Verebnungen aus Karbonatsand. Aus dem offenen Meer strömte frisches Wasser über Rinnen in die Wanne.

Auf und im Meeresboden gab es wenig Sauerstoff, so dass kaum Bodenleben existierte. In den höheren Wasserschichten hingegen lebte eine Vielzahl verschiedener Lebewesen, so dass die Bereiche zwischen den Riffen und Plattformen Jagdreviere für räuberisch lebende Tiere waren. Die Artenvielfalt der in der Paintener Fossillagerstätte gefundenen Lebewelt ist außergewöhnlich hoch.

Die Fische kommen aus den unterschiedlichsten Meeresbereichen und fielen am sauerstoffarmen Meeresboden keinem Aasfresser zum Opfer, so dass sie meist vollständig und sehr gut erhalten sind. Stachelhäuter (Echinodermata) sind artenreich vertreten, oft ist bei den regulären Seeigeln das anhaftende Stachelkleid ausgezeichnet erhalten. Auch irreguläre Seeigel, Schlangensterne und Seesterne wurden nachgewiesen. Viele der Echinodermen lebten im Riffbereich.

SAM 1906
Hemicidaris intermedia

Reptilien sind mit Schildkröten, aber auch Eidechsen, Krokodilen und Brückenechsen im Fossilbericht vertreten. Brückenechsen sind kleine Reptilien mit einer Größe und Gestalt, die der unserer heutigen Eidechsen, z. B. der Zauneidechse ähneln.

 

SAM 1917
Brückenechse

Brückenechsen (Rhynchocephalia) sind eine Gruppe der Schuppenechsen (Lepidosauria), zu denen noch die Schuppenkriechtiere (Squamata) zählen. Diese Reptilgruppe, zu denen die Schlangen, Eidechsen und Doppelschleichen gehören, ist heute mit über 7000 Arten eine der erfolgreichsten Wirbeltiergruppen. Die Brückenechsen hingegen sind inzwischen bis auf die Gattung Sphenodon, die auf einigen Inseln vor der Küste Neuseelands vorkommt, ausgestorben. Obwohl Brückenechsen im Erdmittelalter (Mesozoikum) häufig vorkommen, sind viele Aspekte ihrer Evolution bisher unklar, was vor allem daran liegt, dass meist nur fragmentarische Reste und selten vollständige Exemplare gefunden wurden – deshalb sind die Funde aus den süddeutschen Plattenkalklagerstätten von großer wissenschaftlicher Bedeutung.

SAM 1915
Schildkröte, unbekannte Art

Auch Flugsaurier und Pflanzen konnten im Paintener Archipel nachgewiesen werden: Spatzengroße Flugsaurier bis hin zu Tieren mit 30 cm Schädellänge und Knochenkamm. Ihr Vorkommen lässt zusammen mit dem hervorragenden Erhaltungszustand und der Vollständigkeit der meisten vom Land stammenden Fossilien den Schluss zu, dass das Festland nicht weit entfernt war.

Relativ häufig treten Quastenflosser (Coelacanthiformes) auf – in 11 Jahren wurden bisher 12 sehr gut erhaltene Exemplare gefunden. Bis 1938 ging man davon aus, dass die Quastenflosser am Ende der Kreidezeit ausgestorben sind – dann entdeckte die Leiterin des städtischen Meeresmuseums einen riesigen unbekannten Fisch im Fang eines Fischerbootes an der Küste Südafrikas und es stellte sich heraus, dass das stahlblaue, 1,50 m lange Tier ein Nachfahre der fossilen Quastenflosser war. Quastenflosser verwenden ihre muskulösen Flossen in einer Art Kreuzgang, dem charakteristischen Laufmuster der Landwirbeltiere, weswegen sie fälschlicherweise für Brückenglieder zwischen Fisch und Landtier gehalten wurden. Inzwischen werden die Rhipidista, nahe Verwandte der Quastenflosser, als Vorfahren der Landwirbeltiere angesehen.

SAM 1911
Quastenflosser

Die Fossilien von Painten bestechen durch ihren hervorragenden Erhaltungszustand. Zudem lassen sich die Stücke, bedingt durch die geringe Verkieselung, besonders gut präparieren. Im Vergleich mit den anderen Fundstellen des Solnhofener Archipels fällt der hohe Anteil terrestrischer (landbewohnender) Floren- und Faunenelemente auf.

Verwendete Literatur:

Albersdörfer, Raimund und Häckel, Wolfgang (2015): Die Kieselplattenkalke von Painten. In: Arratia, Gloria, Schultze, Hans-Peter, Tischlinger, Helmut & Viohl, Günter (2015): Solnhofen – Ein Fenster in die Jurazeit. München: Verlag Dr. Friedrich Pfeil.

Schultze, Hans-Peter (2015): Hohlstachler oder Quastenflosser (Actinistia oder Coelacanthiformes). In: Arratia, Gloria, Schultze, Hans-Peter, Tischlinger, Helmut & Viohl, Günter (2015): Solnhofen – Ein Fenster in die Jurazeit. München: Verlag Dr. Friedrich Pfeil.

Tischlinger, Helmut und Rauhut, Oliver (2015): Schuppenechsen (Lepidosauria). In: Arratia, Gloria, Schultze, Hans-Peter, Tischlinger, Helmut & Viohl, Günter (2015): Solnhofen – Ein Fenster in die Jurazeit. München: Verlag Dr. Friedrich Pfeil.

Viohl, Günter (2015): Der geologische Rahmen: die Südliche Frankenalb und Ihre Entwicklung. In: Arratia, Gloria, Schultze, Hans-Peter, Tischlinger, Helmut & Viohl, Günter (2015): Solnhofen – Ein Fenster in die Jurazeit. München: Verlag Dr. Friedrich Pfeil.

weitere Sonderausstellung:
Faszinierende Kristallwelt - Calcite aus der Sammlung Weißnegger